Jenseits der Ideologien: Spuren von Anarchismus und Wahrheitssuche im Werk von Günter de Bruyn
Vortrag von Prof. Dr. phil. Dipl.-Theol. Thomas Brose
08.10.2026
19:30 bis 21:00 Uhr
Zentralbibliothek
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Fachbereich Stadtbibliothek und Volkshochschule
Breiter Weg 109
39104 Magdeburg
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Wahrheitssuche und freies Handeln, so Günter de Bruyn in einem vieldiskutierten Redebeitrag auf dem X. Schriftstellerkongress der DDR 1987, vertragen sich nicht mit Bücherzensur. Eine Gesellschaft, die Denkverbote erteilt, nähre grundsätzliche Zweifel an ihrer Reformfähigkeit. Wie stark diese Zweifel bei ihm selbst gediehen waren, belegt das Schicksal seiner Satire Neue Herrlichkeit. Der Roman erschien den Oberzensoren so unerhört, dass die bereits gedruckte Erstauflage von 20.000 Exemplaren eingestampft wurde. Erst nachdem der Band 1984 im Westen erschienen war, konnte er mit einjähriger Verzögerung auch im Osten publiziert werden.
Wo liegen die Wurzeln für die Widerständigkeit eines Schriftstellers, der sich in ein ländliches „Abseits“ zurückgezogen hatte, wo er – ohne Telefon – für die Behörden kaum greifbar war.
Die Zeitenwende zwischen Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Neubeginn nach 1945, die der Autor glänzend in seiner Zwischenbilanz beschreibt, erlebte de Bruyn als Abfolge von Konflikten, Ängsten und Anfechtungen – aber auch als Individuationsprozess und „Training im Ich-Sagen“. Eher ungewollt entwickelte sich der Autor immer stärker auch zum politischen Schriftsteller, der dem vormundschaftlichen Staat mit seiner existentiellen Wahrheitssuche in die Quere kam.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Katholische Akademie des Bistums Magdeburg.